V O R H E R

“Auch ein Star muss sich gelegentlich den Pelz stutzen lassen”, hielt ich einer mehr als aufgebrachten P entgegen, die mir mit ihren Tatzen nichtjugendfreie Zeichen gab. Zugegeben, sich bei strömendem Regen gegen 8.30 Uhr an einem Samstag in den Kleinwagen zu schwingen, um von HH nach KI zum coiffeur de chien zu brettern klingt nicht nur für das hochsensible Gehör einer Chihuahua-Spitz-Lady totally insane. Doch bei 20 cm Körperhöhe sind die Protestmöglichkeiten gottlob begrenzt. Und schließlich hatte uns der einzige, Ihrer Durchlaucht genehme doggy stylist wg. Überfüllung abgelehnt, uns dafür aber an den Salon in KI vermittelt. Ein andere empfehlenswerte Fifi-Butze, so die Inhaberin, gäbe es zwischen Alster und Elbe nicht. Gesundes Selbstbewusstsein nennt man das glaube ich beim Amtsarzt. Die Zieladresse ins Navi gezergelt und einige unvorhergesehene Umleitungen – Führt die U91 nach Uganda? – und reichlich Aquaplaning später, hielten wir auf einem Bauhof, neben den sich ein reichlich abgerocktes Mietshaus gestellt hatte. Dort hing das Firmenschild was wir suchten, in so einem Umfeld jedoch nicht erwartet hatten.

La P bekam spontan Migräne, denn so schlecht sieht sie auch in ihrem hohen Alter noch nicht. “Früher kamen die hair stylists in meine Suite im Chateau Marmont…”, begann sie melancholische in Erinnerungen zu schwelgen. Es musste sich allerdings um die Stummfilmphase ihrer Karriere gehandelt haben, denn man hörte bis aus lautes Gähnen und leises Jaulen nichts. Wir übergaben das älteste vierbeinige Starlet Westdeutschlands seiner Barbiere und verdrückten uns Richtung Truckerfrühstück.
75 Minuten später rauschten wir erneut auf den Hof und holten ein neues Hündchen am Empfang des Salons ab. Denn wenn dieses IT-Girl auf vier Pfoten (s. Kollagen) noch unsere stark behaarte Mini-Matrone ist, die schon mit Zsa Zsa Gabor Gassi ging, dann möchte ich auch einen Termin beim Hundefriseur!
Cheers!

N A C H H E R
