Ich hatte wirklich nicht mehr daran geglaubt. Spätestens seit bekannt wurde, dass Bette Midler Mme Dions Nach’mieterin’ im Colosseum von Ceasar’s Palace wird, begrub ich die letzte Hoffnung auf eine Cher-Extravaganza in der Wüste. Denn auch die einzige Künstlerin, die in meinem Wortschatz den Begriff Pop-Diva rechtfertigt, hatte in Verhandlungen über eine Großproduktion für das 4300-Plätze-Colosseum gestanden. Die, so stand es hinterher zu lesen, leider im Wüstensand verliefen. Nun habe ich ja gegen Miss Midler wirklich nichts: die frisch verschlankte Ex-Ulknudel und Sängerin (“Wind beneath my wings”, “The rose” *sniff*) ist live eine quirlige, stimmstarke Freude. Ein Weltstar von Chers Kaliber, mit Nummer-Eins-Hits in fünf aufeinanderfolgenden Dekaden (Guiness-Rekord Nr.1), nicht zu vergessen einem Oscar, den most outrageous costumes (Design seit forever: Bob Mackie) und einer mutigen outspoken-ness, die kaum ein celebrity mehr wagt, das ist Miss Midler eben nicht.
Egal, dachte ich, Geld gespart, denn für BM wäre ich nicht nach Vegas gejettet. Also gespannt auf das neue Cher-Album warten, laut Gerüchteküche eine Rückkehr zu ihren Rock-Pop-Wurzeln, also Alben wie “Cher”, “Heart of Stone” und “Love Hurts”. Mit 61, nach 25 Alben, 100 Millionen verkauften Tonträgern und geschätzten 620 Millionen Dollar im Safe (die vermögendste Künstlerin weltweit, Platz zwei insgesamt, nach Paul McCartney. Und der wird ja gerade geschieden …) hat die Prä-Madonna Primadonna, wie ein Fan sie einst genialisch taufte, natürlich keinen wirklichen Leidensdruck, CDs aufzunehmen oder gar auf Tour zu gehen. Aber wie in beruflichen und Liebesangelegenheiten passiert bekanntlich dann etwas Wundervolles, wenn man am wenigsten damit rechnet. Während ich dann gestern Abend meinen Test-Lexus über dunkle Landstraßen scheuchte, flatterte dann die Meldung in meinen Gehörgang, das meine Tante Cher, wie ich sie liebe- und ganz respektvoll nenne, einen 60-Millionen-Dollar-Deal mit dem Caesar’s Palace unterschrieben hat. Ab 6. Mai wird sie völlig neues ein 90-minütiges Spektakel abbrennen, für das nicht nur große Teile ihrer schwulen Fanbase die Vuitton-Schrankkoffer packen werden.

Mit der Stadt der fantastisch preisgünstigen Dinnerbüffets (ein Schlemmerparadies: das Bellagio!), Cirque-du-Soleil-Fantasien und verzockter Ersparnisse ist Cherilyn Sarkisian LaPierre Bono Allman allerdings bestens vertraut. Schon als Sonny Bono das umschwärmte Showbiz-Traumpaar 1968 mit dem Film “Good Times”finanziell ruinierte, traten er und Cher in allen Vegas-Clubs auf, die sie buchen wollten. Später, 1981 ausverkaufte Cher bereits zwei Jahre lang Ceasar’s Palace, Anfang der 90er ließ ihre “Extravaganza – Live at the Mirage”-Konzertreihe die Kassen klingeln. Was die Spielermetropole betrifft ist Chers jetziges Engagement also kein Comeback, sondern eine Rückkehr. Drei Jahre lang wird sie insgesamt etwa 200 Shows spielen, sich also monatsweise mit Bette und Elton John abwechseln, der bereits Celine während ihres Sommerurlaubs mit seinem “Red Piano” (Konzeption: David LaChapelle) vertrat. Die Choreographie der 18 Tänzer und Trapezakrobaten entwirft Doriana Sanchez, die auch schon auf Chers “Farewell”-Tour für getanzte Action sorgte. Eine Konzertreise übrigens, die 2002 begann und am 30. April 2005 endete. Nach 325 Auftritten across the globe, 5,88 Millionen Besuchern und Rekordeinnahmen von rund 400 Millionen Dollar – die erfolgreichste Tournee einer Weiblichen Solokünstlerin ever, sagt das Guiness Book (Rekord Nr.2). Für den Live-Mitschnitt gabs 2003 einen Emmy, die Einschaltquote von 16,6 Millionen Zuschauern deklassierte außerdem ganz nebenbei Mad Onnas “Confessions on a dancefloor”-Video, dass Ende 2006 nur 4,6 Millionen TV-Gucker sehen wollten. OK, maybe I like this last fact just a little too much, but who gives a flying fcuk ..?
Gefragt, was sie seit 2005, dem Ende der Abschiedswelttournee so gemacht habe, sagte Cher: “Wie wäre es mit ‘nichts’?”. Dass sie nun der Verlockung einer Dauer-Show in Vegas nun nicht mehr widerstehen konnte, erklärt das Multitalent so: “Ich kann nach der Show wieder nach Hause, muss nicht im Tourbus sitzen, kein Jetlag, keine Klimazonen. Weil dafür bin ich echt zu alt.” Und weiter (und im O-Ton, weil’s neckischer klingt): “You don’t want to stop if you can keep going. I never expected to be going this long. I have no idea how that happened, but it did. It’s like an artist, it’s like, when was it time for Picasso to stop painting? He had enough paintings, I’m sure, at a certain age. Why didn’t he just stop? I guess because he really liked it, and it was some part of his life. You don’t want to give up some part of your life that’s that important.” Hinzukommt nun also bald ein neues Studioalbum nach sieben Jahren und eventuell eine TV-Version des Musicals “Mame”, in der Cher Auntie Mame spielen würde, ein Stück, das Bea Arthur (in der Rolle von Auntie Mames Freundin Vera) weltbekannt gemacht hat. Ich jedenfalls lege mir ab sofort kleine, nicht durchgehend nummerierte Scheine zurück, um Cher in Nevada zu besuchen.
Che(e)rs & Happy Valentine, dearest bitchlings