stylebitch

you say i’m a bitch like it’s a bad thing …

Vanity Fair-ytale

Posted by stylebitch on February 9, 2007

Da ist sie wieder, die neue Berliner Republik oder Elite oder creative crowd oder Mischpoke. Mein lieber Walz, was hat der Moloch an der Spree bloß in einem früheren Leben verbrochen, dass ihn alle zwei, drei Jahre die Hypesüchtigen heimsuchen, wie Zombies, die man nicht los wird? Stimmt, so zwischen ’33 und ’45 war da einiges los, was Strafe verdient. Trotzdem fühlt man mit den Bürgern dieser Stadt, wenn sich nun ein Magazin aus den USA, herausgegeben von einem Verlag aus München mit Satelliten-Schnöseln Unter den Linden mit Glanz, Glamour und den shakers und movers beschäftigen will. Gerade ist die berufsjugendliche Modemesse Bread and Butter nach Barcelona geflüchtet und vor lauter Designern, die Kartoffeldruck-T-Shirs gegen ein kühles Blondes an ihre WG-Kumpels verscherbeln, kriegt kaum jemand mehr was originelles gebacken – aber, so sagt die deutsche Vanity Fair, jetzt gehe es erst richtig los, mit der Berliner Society und so. Hat Christiansen wieder Geburtstag? Ist “Desperate Housewives”-DVD-Abend bei Wowi? Oder wird irgendwo eine Sadinenbüchse er- oder geöffnet und man kann sich für lau das Hirn in Alkohol einlegen?

1 Euro, weniger als ne Curry am Alexanderplatz kostet das halbe Kilo Hochglanz, hinter dem diskreten schwarzen Schutzumschlag, den man als Plastiktüte von Hardcorepornos kennt, herzt Till “Nasalattacke” Schweiger ein Zicklein und sieht aus, als wäre er aus einem Bel-Ami-Video gefallen. Drinnen geht die Bauernhofidylle munter weiter, die Knipsqueen Bruce Weber für janz viel Schotter inszeniert hat: Till im Heu, Till mit anderem Zicklein, Till mit tröpfelndem Gartenschlauch im Schritt, Till mit Möhre im Rachen. Ob uns Herr Schweiger irgendetwas mitteilen möchte, quasi durch die Möhre? Hmmmm… Und was kommt als nächstes? Heike Makatsch beim Ferkel schlachtet? Angie M. beim Unkrautzupfen und Wolfgang Joop, wie er in Potsdam die Haufen seiner stattlichen Dalmatiner aufsammelt?

Im Inneren stehen unterdessen viele Dinge drin, die man so oder ähnlich – und vor allem früher – bereits gelesen hat. Im Stern, im Spiegel, in der SuperIllu und in den Nachrichten vom KiKa. Umweltwonneproppen Sigmar Gabriel verkündet “200, der Umwelt zuliebe” und kann eigentlich nur die Strecke meinen, die er monatlich zu Fuß zurücklegt.

Mein Highlight in einem Magazin, an dem seit zwei Jahren mit gelegentlichen Unterbrechungen gewerkelt wird, findet sich auf der letzen der über 300 Seiten. In der gleichen Woche, wo sie als pompöse Trash-Königin inkl. Thron das Bunte-Cover ziert, darf Tatjana “Gute Nacht, mein Foffi” Gsell einen grenzdebilen Lückentext ausfüllen. Wir erahren, dass sie eigentlich schlau ist und Franz “R.I.P.” Gsell ihre große Liebe war. Den Rest der ausladenden Kleinmädchenschönschrift konnte ich nicht entziffern. Vielleicht kann mir Chefredakteur Ulf „posh@vanityfair.de“ Poschardt eine Abschrift zukommen lassen. Das wäre dann ganz unberlinerisch reizend! Ick mach mir vom Acker für heute. Tschüss!

P.S. Wer sich anschauen will, wie unrein und uneben der J.Lo ihr seine Haut wirklich ist, klickt hier: http://www.vanityfair.de/vf/news/2007/02/09/00052/-Posh_ber_t_J_Lo_in_Sachen_Mode-/index.php

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