stylebitch

you say i’m a bitch like it’s a bad thing …

A little Kostprobe of German Freundlichkeit – Folge 1

Posted by stylebitch on July 5, 2007

Donnerstag, 19.43 Uhr. Einer Edeka-Kasse irgendwo in Hamburgs Hüftspeckgürtel.

Kunde (leicht angetrunken, bester Laune, Artikulationsfähigkeit: südsüdost 3 unter Normal): “Jetzt mal im Vertrauen. Die Zwiebeln, die ihr da [deutet auf die Nichtmehrfrische-Abteilung] verkauft …
Kassierer (leicht angesifft, die drei letzten Follikel einzeln auf die Stirn gepappt): [blickt mit grauen Augen aus von Salzteig eingerahmten Äuglein auf] “Ja …?”
Kunde: “… die solltet ihr mal ganz schnell entsorgen. Alle!”
Eine Standardsituation im Customer-Relations-Seminar für Anfänger: Ein Kunde weist freundlich/bierseelig auf einen Mißstand hin, involviert sich, ihm liegt etwas an unserer schmucklosen Grundversorgungsbutze. Ich bedanke mich artig, gelobe Besserung, wünsche einen wundervollen Abend/Leben/Koitus. Aber, ach …
Kassierer: [mühsam beherrscht] “Da war eine Kollegin schon dabei, beim Aussortieren. Die musste ja aber jetzt an die Kasse.”
Wir fügen im Geiste hinzu: “Weil hier ja immer irgendwelche Leute reinspazieren, die unsere staubigen Pfirsichkonserven begrabbeln, nie die vertrocknete erste Scheibe von der Mortadella kaufen wollen und die Super-Illu bloß zum Aufgeilen durchblättern, aber nie kaufen. Müssten wir die Türen morgens gar nicht erst aufmachen, wäre hier alles in bester Ordnung und wir könnten aus gammeligem Gemüse den Turm zu Babel nachbilden.”
Kunde (sichtlich eingeschüchtert, sogar seine Fuselfahne wird vorAngst ganz dezent): “Ich wollte ja nur Bescheid geben, nichts für ungut.” [entfernt sich gebeugten Alki-Hauptes]
Kassierer (grinst siegesbewusst, als hätte er doch noch ein viertes Follikel entdeckt): “Macht ja nicht.”
Warum sind deutsche Einzelhandelskunden bloß solche devoten, manisch-masochistischen Luschen, die sich von psychopatischen Verkaufsschranzen quasi verbal in den Einkaufskorb kacken lassen und noch artig “Dankeschön, wie nett” dazu flöten? Sind das immer noch psychische Kriegsspätfolgen? Na vielen Dank auch Adolf!

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