stylebitch

you say i’m a bitch like it’s a bad thing …

back to nitty gritty city #2

Posted by stylebitch on November 10, 2007

Im Westway Diner. Während ich verträumt (ja, so bin ich) in meinem Earl Grey rühre, textet am Nebentisch, hinter einer halbhohen Glasscheibe, eine Frau in sattem Dolby Surround das Lokal zu. Denke zunächst, sie spricht am cell phone mit einem Kleinkind, denn es geht um Aliens vom Uranus und wie die sich wohl mit uns Menschen verständlich machen würden. Neugier. Schaue verstohlen über den Rand der laminierten lunch specials zu ihr herüber. Erblicke nur einen wirren Haartuff. Ein monströses zerzaustes Nest, in dem gerade eine Vogelgroßfamilie Polterabend gefeiert haben muss. “Und auf der Venus sind alle immer nackt, das weiß ja jeder. Das ist wie auf [der Schwulenhalbinsel] Fire Island.” Noch mehr Neugier. Schaue wieder rüber und sehe einen jungen African American, der einige Tische entfernt von Frau Wunderlich sitzt, sich aber offensichtlich mit ihr unterhält. Er murmelt etwas von “Übersetzungscomputer”, zwischen zwei french fries.

So vergehen bestimmt zwanzig Minuten, irgendwann antwortet der Schmacko dann Miss Wacko nicht mehr, sie redet sich stattdessen weiter piepsig in Rage. Wir erfahren, das sie ihr Daddy blöd ist, ihre Schwester nur ein bisschen, dass beide augenscheinlich gerade mit ihr am Tisch sitzen und ihre Mum, die sie sehr lieb hat, jetzt die Rechnung bezahlen gehen soll. Der Tisch ist natürlich bis auf die etwa 45-Jährige mit der Stimme einer 10-Jährigen, die in Selbstgestricktes in Bonbonfarben trägt, leer. Sie bezahlt selbst. Kehrt an ihren Platz zurück, den der Kellner gerade wischen will, und verkündet: “Wir möchten jetzt Dinner bestellen.” Dann geht es wieder um den Uranus und dass sie dem African American nicht glaubt, dass er von dort komme, denn dann könnte er ja kein Englisch.

Die Angestellten amüsieren sich, der Chef fragt sogar freundlich, wie es ihr denn heute ginge und mit wem sie spreche. Als sie “Mit Paul” antwortet, lächelt er milde und verzieht sich in die Küche. Ich zahle und wanke hinaus. Wie nach einer Gehirnwäsche. Die ganze Zeit hatte ich damit gerechnet, man würde sie rauswerfen, weil mancher lunchtimer doch recht sparsam in ihre Richtung guckte. Doch ihr Geld war dem Boss so gut wie das der anderen Gäste. Weil ich mich aber emotional in solchen Situationen viel zu sehr involviere, mich nicht ablenken kann, alles mitkriegen und mitfühlen muss, bin ich ziemlich gerädert.

Merke: Solange du nicht weißt, dass du mentally challenged bist, kannst du eine frickin’ great time haben

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