stylebitch

you say i’m a bitch like it’s a bad thing …

Der Song zum Sonntag #7

Posted by stylebitch on November 25, 2007

“I’m more man than you’ll ever be… and more woman than you’ll ever get!”

Das verflixte 7. Mal … Habe lange überlegt, womit ich euch bei dieser Wetterlage beglücken, zum Träumen, Schmachten, Schluchzen bringen kann. Klar ist mir was eingefallen. Noblesse oblige, non? In meinem Alter muss man meist etwas ausholen, aber auch nicht zu weit, sonst erlebt man das Ende der eigenen Erzählung nicht mehr. Oder vergisst, weshalb man sich gerade den Mund fusslig schrieb. So here it goes (für Eilige: klickt hier und genießt):

Als musical theatre afficionado hatte ich natürlich schon vor meinem siebenmonatigen Arbeitsaufenthalt in NYC von Rent gehört, jener umjubelten Neuinterpretation von Puccinis La Bohème und deren Übertragung ins New York der AIDS-80er. Ungeschminkt, rauh, edgy, tragisch, unerschütterlich optimistisch – und mitreissend rockig: Das erste Kultmusical für die gerade entdeckte Generation X.

Was die Rockoper, die sich vom frenetisch gefeierten Off-Broadway smash hit zum Broadway-Erfolg mit der siebtlängsten Laufzeit aller Stücke der wichtigsten Theatermeile der Welt kämpfte, jedoch so zeitlos und wichtig macht, ist neben der heute fast schon nostalgisch stimmenden Kompositionen das geniale Libretto von Jonathan Larson. Der leider den gigantischen Erfolg seines Werkes und dessen wegweisende Wirkung für die Schwulenbewegung, AIDS charities und ein modernes musical theatre nicht mehr miterleben konnte. Larson starb einen Tag nach der Generalprobe von Rent, in den frühen Morgenstunden des 25. Januar 1996, an den Folgen eines Risses in der Aorta, verursacht durch das zuvor bei ihm nicht diagnostizierte Marfan-Syndrom.

Seinen Eltern, die bis heute junge Komponisten und Dramatiker in der Jonathan Larson Performing Arts Foundation fördern, oblag die schwere Bürde, für ihren Sohn, der wie seine Freunde über viele, viele Jahre von der Hand in den Mund und unter erschreckend ärmlichen Bedingungen leben musste, posthum folgende Ehren für Rent entgegen zu nehmen: den Pulitzer Prize for Drama, drei Tony Awards (Best Musical, Best Book of a Musical & Best Original Score), drei Drama Desk Awards (Best Musical, Best Book of a Musical & Best Lyrics), den New York Drama Critics Circle Award for Best Musical, den Outer Critics Circle Award for Best Off-Broadway Musical und drei Obie Awards (Outstanding Book, Outstanding Lyrics & Outstanding Music).

Die Story und alle Songs könnt ihr euch – sofern nicht längst geschehen – selbst ersurfen. Ich sah das Stück 2001 am Broadway und war so bewegt wie begeistert. “One Song Glory”, “Seasons of Love”, “Tango Maureen”, der Titelsong “Rent”, “Light My Candle”, “La Vie Boheme”, “Take Me or Leave Me”, “I’ll Cover You”, “Your Eyes” … jeder Song ein trotzig-fragiles Kunstwerk.

Ein anderes, nicht minder tolles Stück aus Larsons Feder jedoch wurde erst durch die sehr gelungene (weil vorwiegend mit den original Bühnendarstellern!) Verfilmung einem breiten Publikum bekannt, das gar nicht für die Bühnenversion gedacht war und auf der Cast-CD gar nicht auftaucht: “Love Heals”. Erstmals hörte ich es auf der wunderbaren Solo-CDMen I’ve Had” von Musicalstar Sherie René Scott, die zur Zeit als Meerhexe Ursula Fischschwänzchen Arielle das Leben schwer macht.

Und nach Probehören der Filmversion des Tracks finde ich Sheries Interpretation noch viel gelungener, denn während das vorsichtig hoffnungsvolle Lamento auf dem Soundtrack von R’n’B-Gejaule und wechselnden Sängern mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten verquast wird, singt Sherie es wie eine Geschichte, die sie erst haucht, dann raunt, dann heraus beltet und in eine upliftende Gospel-Sequenz münden lässt – ehe es zurück auf Anfang heißt. Großartig. Ebenso klasse: Ihre Version von Elton Johns “Mona Lisas and Mad Hatters” (Video).

Damit ihr eine Ahnung von Larsons Können als Texter bekommt, poste ich euch den Text gleich mit. Der Song ist in (fast) ganzer Länge unter diesem Link zu erreichen – oder flugs bei iTunes geshoppt. Kann ich nur empfehlen!

Cheers, the bitch

Love Heals

Like a breath of midnight air
Like a lighthouse, like a prayer
Like the flicker and the flare, the sky reveals

Like a walk along the shore
That you’ve walked a thousand times before
Like the oceans roar
Love heals

There are those who shield their heart
Those who quit before they start
Who’ve frozen up the part of them that feels

In the dark they’ve lost their sight
Like a ship without a star in the night, but it’s alright

Love heals
Love heals
Love heals

Love heals when pain’s too much to bear
When you reach out your hand, and only the wind is there
When life’s unfair
When things like us are not to be

Love heals when you feel so small
Like a grain of sand. Like nothing at all
When you look out at sea
That’s where love will be
Thats where you’ll find me
You’ll find me

So if you fear the storm ahead
As you lie awake in bed
No one there to stroke your hand
And your mind reels

If your face is salty wet
If you’re drowning in regret, just …

Don’t forget (x4)
Love heals (x5)

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3 Responses to “Der Song zum Sonntag #7”

  1. Nur kurz zum Marfan-Syndrom: Ich empfehle die wunderbare Doku: “Jabe Babe – Ein Leben aus höherer Sicht”…

  2. stylebitch said

    Vielen! Dank! Für! Den! Tipp!!!

  3. andreschneider said

    *schwärm* Das bringt Erinnerungen zurück! “Rent”! 🙂 — 1996/97 … Roger … Mimi. Es gab doch auch noch so ‘nen völlig misslungenen Kinofilm. Oh, und eine schauerliche deutsche Fassung…

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