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you say i’m a bitch like it’s a bad thing …

Der Song zum Sonntag #11: Special Bare Edition

Posted by stylebitch on December 21, 2007

Der Sonntag fällt, ihr habt es gemerkt, diese Woche auf einen Freitag. Muss ein Schaltjahr sein, but be flexible, kidz. Und weil eure sonst so quirlige queen of all media aka La Grande Bitchesse de Pompadour alias Montezumas Rache-Göttin momentan gar nicht gut drauf, nicht einmal sonderlich bitchy (!) gestimmt ist, gibt es eine Ode auf das bittersüßeste, beste Musical zum Themenbereich Jugend/Kirche/Homosexualität/Schwangerschaft/Liebe on this frickin’ planet:

Vergesst das total überhypte “Spring Awakening” oder die netten, aber belanglosen “Altar Boyz“, denn Bare macht dort weiter, wo “Rent” aufgehört hat. Für meinen Geschmack sogar noch ein Quentchen berührender, musicalisch eingängiger. Ehe ich mich an meinen, pardon, auf meinen Privatsekretär setzte, um diese Zeilen zu diktieren, fuhr ich, die Außenwelt nur schemenhaft durch Tränenschleier erfassend, kreuz und queer durch Hamburg und schluchzte hemmungslos mit. Hat sicherlich auch mit meiner heutigen Gemütsverfassung zu tun, und die wiederum damit, dass ich gestern die 18-jährige Wiedergeburt der Schneekönigin gedatet habe. Mir ist jetzt noch ganz fröstelig und in mein armes bitch-Herz bohren sich winzige spitze Eiszapfen. Gayromeo muss die achte biblische Plage sein.

Doch back to Bare.

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Die Story: In einem katholischen Internat kochen trotz Kreuz und pappiger Oblaten die Hormone hoch. Besonders bei Jason, dem vielbewunderten Sportass, und Peter, einem stillen Grübler. Der ringt damit, sich endlich wenigstens seiner Mutter gegenüber zu outen, während Jason sich zur Tarnung mit Ivy einlässt. Und sie schwängert. Seine Schwester Nadia weiß um das streng gehütete Geheimnis ihres Bruders, hat aber mehr mit sich und ihrer Leibesfülle zu kämpfen, die sie aus der in-crowd ausschließt. Was sich wie eine x-beliebige Prekariatsstory anhört, Konstellationen, wie sie Britt uns am Nachmittag durch die Manege führt, wird im Angesicht Gottes und der strikten Doktrin der Kirche für die Jugendlichen zur seelischen Zerreißprobe. Als Jasons “Schrank” von einem Mitschüler geöffnet wird, Peter sich von ihm trennt und Ivy ihm ihre Schwangerschaft gesteht, können weder Beichte noch Rosenkränze die Tragödie aufhalten: Jason nimmt eine Überdosis Partypillen und stirbt während einer Schulaufführung von “Romeo und Julia”. Auf der Bühne.

Die Songs, die Damon Intrabartolo (ein wet dream von einem Namen, gell?) für diesen bisher nur in Los Angeles und kurz in New York aufgeführten Musical-Juwels, bewegen sich mühelos zwischen dramatischer Ballade, wildem Poprock à la Avril Lavigne und Gospel-Soul, wie ihn Aretha gern röhrt. Jon Hartmere Jr.s authentische Texte stärken dabei die Durchschlagkraft der Titel und treiben die Handlung ihrem fatalen Ende zu.
Eine Passage, die mich immer zu Tränen rührt (und davon gibt es noch etliche mehr), ist die Gottesdienst-Szene nach Jasons Freitod, in der Peter den klerikale Floskeln absondernden Schulpriester mit seiner (so wahren!) Version von “Gott ist Liebe” konfrontiert:

Priester: People come to the church at times like these for answers, but I have none. Most words seem to fall empty, but I’ll try. It’s a horrible thing that no one should have to go through, losing … a friend at such a young age. You know, or you should know, that he’s in a better place. We’ll always ask ourselves if there was something more that could have been done. That’s natural.

Peter: Do you ask yourself that, Father?

Priester: Me?

Peter [gesungen]:
He went to you for guidance
You hid behind a screen
Knowing how much
Empathy might mean
Did you know
How much he loved?
Did you know
How much he cared?
Lost in the teachings was
A boy so all alone and scared.
[the bitch holt sich für die nächsten Zeilen ein Kleenex]
Father we were so in love
And that’s what I find so odd
Our love was pure and
Nothing else brought me
So close to God

Priester: I’m sorry, Peter.

Peter: And I forgive you, Father.

Auch ohne Video (Proben aller Titel: hier) für mich ganz wunderbar schlichte, Zeilen – und eigentlich Blasphemie, ein Gläubiger, der seinem Priester vergibt … – denen es nichts hinzuzufügen gibt.
Um euch, dearest bitchlings, aber dennoch einige Eindrücke und Hörproben der Show zu geben, habe ich ein paar der markantesten Tracks zusammengestellt. Die Videoqualität ist nicht so berauschend, dafür gibt es bei den meisten Filmchen Karaoke-Texte gratis.

Besonders stark, und das ist neben dem erwähnten Zwiegespräch “Absolution” dann mein Sonntagssong am Freitag, ist der Titel “Warning“, in dem Peters Mutter (gespielt von der wunderbaren Kaitlin Hopkins, die ich in NYC “Bat Boy” erleben durfte) versucht, mit dem Schwulsein ihres geliebten Sohnes klarzukommen.

Der Prolog dazu ist das Telefonat mit einem verzweifelten Peter, “See me“.

Auch irre touching sind die Nummern “The Role of a Lifetime” (Peter über die Fassade, die Jason sich aufgebaut hat – auf Kosten ihrer Liebe) und “Are you there“, in der der bei Ivy abgeblitzte Matt und Peter einander ihr Beziehungsleid klagen und Messwein verkosten. Als Bonustrack dann die Disco-Nummer “911 Emergency“. Seht selbst!

Mich hat Bare, das unbedingt ganz, ganz oft in ganz, ganz vielen Städten aufgeführt werden muss!, besonders heute sehr nachdenklich gemacht. Während ihr euch jetzt vielleicht so tief wie ihr wollt von den Hörproben berühren lasst, grüble ich noch ein wenig über die Liebe, Gayromeo (Shakespeare würde sich im Grab umdrehen..) und warum ich nie zuvor so wenig in “Weihnachtsstimmung” war.

Skull!

P.S. Solltet ihr Geldgeschenke bekommen oder bereits vermögend sein, gönnt euch was, und legt euch das Bare-Set bestehend aus eine Doppel-CD mit allen Musiktiteln sowie einer sehr aufschlussreichen “Making of Bare“-Doku-DVD. Zu bestellen: hier. Meine Scheiben laufen auf Dauer-Rotation. Enjoy!

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4 Responses to “Der Song zum Sonntag #11: Special Bare Edition”

  1. chuckles said

    Dear Stylebitch,

    lassen Sie sich bloß nicht die freien Tage verhageln. Besondere Menschen benötigen schließlich besondere Momente. Genausowenig, wie sie bei Neckermann ihre Großwildsafaritrips buchen oder bei Tschibo Micky Maus-Unterwäsche kaufen, bestellen sie sich Typen mit schockgefrorenem Instanzimage bei Veronaimschlussverkauf während der blauen Stunde.
    Machen Sie mal Pause. Sie haben es sich verdient.
    Yeched mat!

  2. stylebitch said

    Dear Mr. Chuckles,

    merci vielmals für Ihre Balsam-Worte. Es ist nur so dass ich … ach egal. Sie haben recht. Und ich werde 29.1 – da haben Sie dann den Salat 😉

    Es grüßt Sie prä-festlich Ihre optisch alterslose bitch

  3. andreschneider said

    Merci für diesen Musik-Tipp. 😀

  4. stylebitch said

    @André: War mir Bedürfnis und Vergnügen 🙂

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