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you say i’m a bitch like it’s a bad thing …

Der Song zum Sonntag #16: Franco-Pop-Edition

Posted by stylebitch on January 14, 2008

Lange musstet ihr darben, liebste bitch babies, doch jetzt haben meine Leibärzte Dr. Wick und Dr. Kneipp meine Killer-Influenza einigermaßen unter Kontrolle. Wie kalifornische Waldbrände eben … Und ehe ich mich wieder zu meinen imaginären jugendlichen Pflegern in die Kissen werfe, wollte ich wenigstens den Song zum Sonntag posten, der übrigens diesmal gleich mit vier (!) sangesfrohen Schnuckeln aufwartet, die sich auch gleichzeitig jeder für sich als iCandy der Woche qualifieziert haben (einer leider erst posthum …). Wie sagt man so schön: “Die Nachtigal in seiner Kehle ist klein, aber sie wohnt sehr schön.” Denn auf all das wartet ihr ja schon sehnlichst, ihr süßen Paarhufer. Also los:

collage_cerrada-640x480.jpg

Weil ich ihn 2004 beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson zuerst hörte und gleich ins Bitch-Herz schloss, führt er das Quartett an: Jonatan Cerrada. Der 22-Jährige wuchs in Belgien auf, sang seit er acht Jahre jung war in der Oper seiner Heimatstadt Liège und spricht neben Französisch auch fließend Spanisch. Nachdem er sich 2004 in der ersten Staffel des französischen “DSDS”-Formates “A La Recherche De La Nouvelle Star” durchgesetzt hatte, sang er im Eurovision Song Contest des gleichen Jahres den Titel “A Chaque Pas”, den der famose Steve Balsamo (ein fantastischer Musicalsänger, vor allem durch seine Rolle des stimmgewaltiger Heilands in “Jesus Christ Superstar” bekannt), mitverfasste.
Die “Der Kleine Prinz”-Optik von Jonatans Auftritt ist vielleicht gegenüber den sich heute wüst entkleidenden Ukraninerinnen etwas zahm, fast niedlich, und den ersten Refrain versemmelt er leider auch. Und doch finde ich, er hat ‘was’. Sein angenehm upliftendes “Libre come l’air” höre ich irre gern wenn es in Hamburg nieselt. Leider war nach dem zweiten Album erst einmal Schluss, wie es so vielen “Idol”-Kandidaten wiederfährt. Doch immerhin gibt Jonatan weiterhin Konzerte und trat im vergangenen Sommer als Arthur Rimbaud im gleichnamigen Musical auf. Sein Plan, eine Art Aktien zu verkaufen um daraus das dritte Album zu finanzieren, scheiterte derweil so kläglich wie öffentlichkeitswirksam. Kopf hoch, kleiner Prinz!

collage_thierry-640x480.jpgDa er Jonatan Cerrada in der erwähnten Castingshow nur knapp unterlag, geht es mit Thierry Amiel weiter, zu dem ich gar nicht so viel zu erzählen habe. Das wenige was bisher geschah, könnt ihr hier nachlesen, 2006 erschien immerhin noch ein neues Album. Mir gefällt der Titel “Je regarde la haut” aus dem Album “Paradoxes” recht gut, den ihr euch leider selbst anklicken müsst, weil’s den bei Youtube nicht (mehr) gibt. Bitteschön: VIDEO

collage_lemarchal-640x480.jpgHabe lange überlegt, ob ich den folgenden Künstler posten soll oder nicht. Will euch schließlich weitestgehend Freude bereiten, zerstreuen und niemanden aus fluffig rosa Wolken schubsen. But life’s a bitch and we’ve got to deal with it. Habe die zwei einzigen erschienenen CDs von Grégory Lemarchal vor einigen Monaten in Paris bei fnac impulsgekauft, nach Probehören einiger Tracks. Als ich back home in einem der booklets blätterte, stand dort ein Nachruf auf den 24-jährigen Künstler. Ich war schockiert. Und googelte.
Fazit meiner Recherche: Grégory Lemarchal wurde am 13. Mai 1983 geboren. Schon mit 20 Monaten wurde bei ihm Mukoviszidose diagnostiziert, eine ultrafiese Krankheit, der die auch bereits verstorbene Christiane Herzog meines Wissens ihre ganze Bundespräsidentgatinnenpower gewidmet hat. Mit 12 Jahren gewann Grégory einen Meistertitel in Rock-Akrobatik. Keine Ahnung was das ist, klingt nach Pop-Gymnastik, wie man in der DDR früher Aerobic nannte. Vielleicht ist es auch eine Hardcore-Version des Rock’n’Roll. Als er im Sommer 2004 als erster Mann die 4. Staffel des Castingformates “Star Academy ” gewann, erfüllte er sich und seiner Familie damit einen großen Traum. Trotz einer Krankheit, die ihm immer mehr Kraft raubte, ihm im Wortsinn nach und nach die Luft zu nehmen drohte, stand er die TV-Strapazen durch und nahm danach gleich zwei Alben auf. Seinen letzten Song, “De temps en temps”, konnte er zwar noch Beenden, statt eines offiziellen Videos wurde ein Homage-Clip gedreht. Am 30. April 2007 erlag Grégory dem heimtückischen Leiden, gut acht Jahre vor dem durchschnittlichen Höchstalter für Mukoviszidose-Erkrankte.
Ganz schön traurig, sicher. Andererseits aber dachte ich “Wow, wenigstens hat er seine ganze Zeit auf dieser ollen Kugel für die Erfüllung seines Traumes eingesetzt, hat sich vollends darauf konzentrieren können – und müssen. Er hat sich nicht im Unglück eingeigelt sondern sich solange alles abverlangt, bis es nicht mehr ging.” A lesson. To learn!

Vor dem Hintergrund seines frühen Todes fand ich seinen ersten Song “Je suis en vie” besonders passend:

collage_raphael-640x480.jpgFinalement zu einer meiner Lieblingscabrio-CDs, denn wenn ich einmal in einem schnittigen Oldtimer-Cabrio durch Südfrankreich fahren sollte – oder auch die Westküste der USA hinunter – dann steckt “Caravane” von Raphaël Haroche garantiert im Player. In Frankreich ist der zierliche Barde schon lange eine Art Mini-Gainsbourg, wobei Vergleiche eigentlich immer blöd sind, und meist für einen oder beide Künstler ungerecht. Deshalb zitiere ich lieber, was die Kollegen von cd-kritik geschrieben haben: “Was macht das Phänomen Raphaël aus? Da ist zunächst und vor allem seine Stimme, die immer im Nichts zwischen Melodieführung, melancholischem Selbstgespräch, aufgewühltem Flüstern und Stimmbandentzündung verharrt.” Und er ist zudem dabei so anrührend ernsthaft, ohne sich zu verkrampfen. Franzose halt. “Caravane” ist für meine Ohren das rundeste seiner Alben und man kann es einfach auf Dauerwiederholung schalten, während duftenden Lavendelfelder vor der verspiegelten Ray Ban vorbeiziehen. Wunderbar!
Da Youtube auch sein Video entfernen musste, zieht euch doch auf dieser Site den offiziellen Clip rein. Knöpft eure Hemden und Blüschen auf, zerreißt eure Tank-Tops und träumt ein wenig vom Sommer!

Santé, eure bitch de stile (oder wie der Kermitverzehrer sagt …)

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15 Responses to “Der Song zum Sonntag #16: Franco-Pop-Edition”

  1. Raphaël, die süsse Space-Schwuchtel… Die “Caravane”-CD gehörte ja 2006 zu meinen liebsten!

    Oh, der arme Grégory. Mochte zwar weder Stimme noch Musik noch Typ, aber traurig ist es natürlich sehr, wenn jemand so jung und so grausam diese Welt verlassen muss.😦

    Schön, Sie wieder bei uns zu haben, liebe Bitch! Ihr Blog-Einträge wurden schmerzhaft vermisst.

  2. stylebitch said

    @André: Merci für die herzliche Zurück-Begrüßung. Ich halte es ja mit dem Satz, den Oliver Kalkofe mal Johannes Heesters in den greisen Mund gelegt hat: “Solange ich noch nicht mumifiziert bin, bin ich für mein Publikum da”. Ob es will oder nicht😉

    Raphaël ein Hômo? Habe gelesen, er hätte eine Freundin … *weltbildgeraderück*

  3. Raphaël ist eine Schwulen-Ikone in Frankreich. Es wird wild spekuliert. Letztendlich ist’s aber dann doch egal. Oder?

  4. stylebitch said

    Absolut! Es gibt schon genug Schwule auf der Welt😉 Hauptsache, er singt so einlullend verträumt weiter. Wobei der ja so zierlich ist, den macht Mann ja kaputt …

  5. Magersüchtiges Frettchen, das.

  6. stylebitch said

    Böse, böse *lach*

    Ich halte es ja auch eher mit Tracy Turnblad: “I’ll eat some breakfast and change the world.” In genau dieser Reihenfolge. Nur net hudle!

  7. P.S.: You’ve got Mehl.

  8. stylebitch said

    Ey, aber ich back doch gar nicht. Außerdem: selber!

  9. canela said

    irgendwie finde ich, ihr magt euch. n’est pas mes chers?

  10. rene said

    Hach, meine liebe Bitch. Schön, sie wieder zurück auf dieser Welt zu haben…

  11. stylebitch said

    @René: *verneigtsichziemlichgalant* War doch gar nicht lange weg, wie lieb🙂
    Tja, manchmal steht das physische real life (Grippe und so) dem transzendentalen second life im www echt im Weg. Werde wohl bald ein “Max Headroom”-Experiment starten müssen …

  12. rene said

    Nur keine gewagten Experimente. Ausserdem habe ich nach ein wenig Googlen erfahren, dass M.H. seinerzeit zugunsten “Dallas” und “Miami Vice” abgesetzt wurde. Also gegen J.R. möchte ich Sie im Leben nicht eintauschen, meine Liebe.

  13. stylebitch said

    @canela: hm?

    @René: Das ist reizend, rauche auch keine Zigarre und Cowboyhüte, naja … Vor meinem 30. sah ich mich ja schon als Miss Ellie😉 Jetzt beleuchte ich meinen Salon halt nur noch mit Kerzen und bin schwer begeistert, beim Blick in den Spiegel. Warmes, goldenes, schwaches Licht & M.A.C. = a match made in heaven!

  14. canela said

    bitchy, ma chère, ich wolle doch nur cupidine spielen🙂

  15. stylebitch said

    @canela: …

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