stylebitch

you say i’m a bitch like it’s a bad thing …

Wolkengedanken

Posted by stylebitch on February 22, 2008

Liebe Gemeinde, dearest bitchlings. Habe heute lange gegrübelt, ob ich posten sollte, was mich am Sonntagabend auf dem Hinflugnach Mailand zur Modemesse überkommen hat und was ich sofort und ohne Punkt und Komma auf sieben Seiten Moleskine quetschen musste. Also behandelt diese WOLKENGEDANKEN pfleglich 🙂

Ans Abstürzen denke ich ja immer. Nicht panisch, ohne Schweißausbrüche oder nervöses Zittern in Fingern und Mundwinkeln. Aber wenn man so oft fliegt wie ich, dann ist es irgendwann einfach rationale Gewissheit, dass die statistischen Chancen nicht besser werden, dass etwas passieren kann. Wer bei heftigen Turbulenzen kein mulmiges Gefühl hat, und wenn nur sekundenkurz, ist entweder eh auf Betablockern, sowieso längst lebensmüde oder hat einen IQ unter Kabinentemperatur. Bei meinem ersten Flug seit Silvester jedoch ist alles anders. Statt ungewisse Höhen zu erklimmen, scheine ich diesmal meinem inneren Hochgefühl entgegen zu fliegen, mich ihm per Turbinenkraft zu nähern. Der Abendhimmel über der Wattewolkendecke leuchtet pink, orange, gelb und weiß, in Schichten wie bei einem Erdkernquerschnitt. Fröhliche Farben, Sommerfarben, Liebesfarben. Die Sicht auf den Boden ist klar, wie ein Mobile scheinen wir in der Luft zu schweben, ab und an von einer unsichtbaren Hand angeschubst.

Ich bin völlig ruhig, sinne vor mich hin, sehne mich, schreibe diese Zeilen und spüre, was auf Englisch being at peace with oneself heißt. Ein mich auch an Bord dieser kleinen Lufthansa-Maschine seltsam, angenehm erdendes Gefühl breitet sich in mir aus. Noch unterwegs bin ich tief in mir drinnen längst angekommen. Nicht in Mailand, dem Ziel meiner Reise, sondern bei mir. Und dem Menschen, mit dem ich, sollte es uns vergönnt sein, den Rest, jeden Tag meines Lebens verbringen möchte. Denn so geliebt zu werden wie man ist, von jemandem, den man ebenso bedingungslos liebt, den man nicht umformen, sondern einfach begleiten will, das passiert jedem Erdenbürger vermutlich nur einmal. Eine Herausforderung, sich ob dieser düsteren Aussicht nicht in ihn zu krallen, ihn an sich fesseln zu wollen, ihn mit der eigenen Liebe so sehr überschütten zu wollen, bis er daran erstickt. Nicht von paranoidem Misstrauen infiziert zu werden, ihn zu kontrollieren, zu belauern, zu manipulieren. Sich unbeschreiblich nah zu sein, ohne sich dabei zu erdrücken, tabulose Offenheit zu erreichen – verbal wie physisch, sich grenzenlos zu vertrauen. Beim Anblick dieses Himmels und mit schwerelosen 700 km/h alles kein Problem! Ich beschließe prompt, dieses optimistische Gefühl der Machbarkeit mit von Bord zu nehmen diese Zuversicht, diese Wärme in mir zu konservieren wie eine Wodkapflaume in einem Einweckglas.

Abstürzen, diese Szenario schreckt mich einerseits nicht mehr – und gleichzeitig bis ins Mark, in jede Herzmuskelfaser! In einem Job den ich mag tun zu dürfen was mir gefällt und ab und an Zeit mir ebenfalls sehr wichtige Zeitvertreibe zu haben – Schreiben, Music(als), Theater, Bücher, Nightlife, Reisen – zu haben. Check. Nach einer langen Reise zu mir selbst, zu meinen Bedürfnissen, meinen Wünschen, Sehnsüchten, meiner Vorstellung vom Leben, von Beziehungen, mit der großen Liebe beschenkt zu werden, out of the blue, das komplettiert meine Checkliste. Wenn es denn also sein muss – Gewittersturm, Materialermüdung, menschliches Versagen – then bring it on. I’ve had my fill, the lion share. Wenn aber nicht, und Fatalismus ist eh nicht meine stärkste Seite, dann Werauchimmer, lass diese noch frische, mich irre erfüllende, ständig an Intensität gewinnende Liebe nicht in einem banalen Ikarus-Moment enden. Zu lange habe ich darauf gewartet mich (im übertragenen Sinn!) völlig fallen lassen zu können, gehofft, dass es einen solchen Menschen für mich gibt, um jetzt bei einem letzten Chardonnay gelassen dem Ende entgegenzusehen. NEIN, NOCH NICHT! NOCH LANGE NICHT!!! Ich will keine Ironie des Schicksals – gewonnen zeronnen und so ein bullshit . Will kein bad luck, kein dumm gelaufen, kein es hätte so schön werden können … Solche Pech-trifft-blöden-Zufall-Situationen gehören ins Kino, in die „Final Destination“-Reihe.

Ich schaue in das Glutrot der untergehenden Sonne, finde die Ruhe wieder, die Gewissheit, ein Glückskind zu sein, über das Werauchimmer beschützend eine Hand hält. Und über meinen Liebsten bitte gleich mit, den ich in viereinhalb Tagen wiedersehe. Der Rückflug übrigens, der wird gut gehen. Darüber denke ich gar nicht erst nach. Wird alles wunderwunderwunderschön werden, denn er ist ER! Ich habe noch so viel vor mit ihm. Vielleicht auch mal fliegen …

SLB

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2 Responses to “Wolkengedanken”

  1. Oliver said

    Gut, das du dich dafür entschieden hast, deine Wolkengedanken zu posten – ein wirklich schöner (und so nachfühlbarer) Text!

  2. stylebitch said

    @Oliver: Ja, bin jetzt (durch Kommentare wie Deinen!) auch froh darüber. Steht ja auch nichts drin, für das Mann sich schämen müsste 🙂 War halt nur die Frage, ob das zu intim, zu privat für (m)einen Blog ist. Aber meinen Mann küsse ich ja auch im Freien, warum also nicht Gedanken über meine Liebe für ihn posten. So mal.

    Cheers!!!

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