stylebitch

you say i’m a bitch like it’s a bad thing …

Die Mommie Die

Mein Plan, meinen Kultur-Akku in zehn Manhattan-Tagen so voll wie möglich zu laden, entwickelt sich bisher gut. Vier von fünf geplanten Shows sind gewatched, außerdem habe ich noch einige Filme dazwischen gepresst, über die auch bald mehr.Sicher, ich hätte mir hier auch gestern frisch manikürten Fingerchen (Ivy Nails & Spa, 350 W 43rd St) wund shoppen können. Bei einer Einfuhrhöchstgrenze von 175 mickerigen Euro bleibt mir aber gar nichts anderes übrig, als das einzige „Gepäckstück“ zu überladen, was (noch) jeglicher Durchsuchung trotzt: mein hübsches Köpfchen. *singt* „No, no, no, they can’t take that away from me … ohono“ Im Knast haben die nämlich sicher kein Ben & Jerry’s, und wer zupft einem da die Brauen? Hmm??

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Den Namen Charles Busch las ich zum ersten Mal 2001, als ich noch als Boulevard-Bitch aus dem New Yorker Promi- und Mode-Wahnsinn berichtete. Damals hatte gerade sein Stück „The Tale of the Allergist’s Wife“ Premiere am Broadway, ein Werk, das den Drag-Dramatiker endgültig aus dem Ghetto schwuler Subkultur und ins Scheinwerferlicht des Mainstream beförderte. Leider schaffte ich es damals nicht, hinzugehen, ließ mich stattdessen von Courtney Love anbrüllen, stellte Marcus Schenkenberg nach (rein beruflich!) und brachte Liza Minelli dazu, mir einen Gruß an ihre Fans in Deutschland ins Dictaphone zu nuscheln. Those were the days

Das Busch jedoch seine Wurzeln im sophisticated trash theater seither nicht verleugnet hat, beweist aktuell „Die Mommie Die“, das bereits mit der von mir sehr geliebten Frances Conroy (u.a. „Six Feet Under“), Jason Priestley (you know hwo …), der wunderbaren Natasha Lyonne (u.a. „Slums of Beverly Hills“) und natürlich Mr. Busch himself herself verfilmt wurde. Gibt’s auch auf DVD, meine wartet hoffentlich schon in Allemagne auf mich.

Die Story: Angela Ardens (Charles Busch) Leben könnte eigentlich so schön sein. Die Diva von Hayward’schem Format blickt auf eine erfolgreiche Karriere zurück, bildete mit ihrer unter mysteriösen Umständen verblichenen Schwester einst ein Hit-Duo in bester „Andrew Sisters“-Tradition, ist nun mit dem Hollywood-Produzenten Sol Sussman (Bob Ari) verheiratet – und hat nebenher viel Spaß mit dem enormen Schläger ihres Tennislehrers Tony Parker (Chris Hoch). “You slipped into my life as easily as vermouth into a glass of gin.

Doch die Schatten der Vergangenheit und ganz gegenwärtige Komplikationen vermiesen ihr den Müßiggang gündlich . Ihre Tochter Edith (Ashley Morris) hasst sie, liebt dafür ihren Vater etwas zu sehr, Sohn Lance (Van Hansis) fliegt wegen sexuellem Fehlverhalten mit Mit-Gliedern des Lehrkörpers vom College, ihr Mann verbietet ihr das lange ersehnte Comeback und wittert ihre Affäre – und ständig schnüffelt Haushälterin Bootsie (Kristine Nielsen) im Haus herum. Enough is enough, denkt sich la Arden und geift zum vergifteten Suppositorium

Der Au(a)ftakt für böse Dialoge à la „Sunset Boulevard“ trifft „All about Eve“, unerwartete Wendungen, große Roben und ganz große GESTEN. Allein Charles Busch zuzusehen, wie er mühelos in die exaltierten Posen der Drama Queens der 50er und 60er Jahre schlüpft und sich ihre stark überzeichnende Mimik zu eigen macht, als eine Art persiflierende Hommage, ist ein Erlebnis. Das Tempo stimmt, die Inszenierung greift mit S/W-Einspielern zu Beginn und Ende jedes Aktes die Filmnähe auf – und der Rest ist ein „Denver Clan“ auf Speed. Kein Wunder, dass auch die von mir besuchte Spätvorstellung in den New World Stages – eine Art Off-Boradway-Experimentierwerkstatt auf Hochglanz und finanziert durch den Musical-Konzern Stage Entertainment – restlos ausverkauft war.

Dort läuft übrigens auch „Altar Boyz“, ein Musical über eine christlich korrekte Boyband. Backside Boys mit Heiligenschein oder so. Das Album lohnt aber ein Reinhören bei iTunes.

Muss mich jetzt für „Hairspray“ anstellen gehen. Ich finde ja: lieber live als mit John Travolta …

Rock on, bitches!

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