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Disney’s The Little Mermaid

Part of your world“, gesungen von Susan Egan alias Arielle, gehört ja zu meinen Lieblinsliedern aus der wunderbar fluffigen Zeit, als Disney noch gezeichnete (!) Filmmusicals machte, die man unbedingt auf Video und CD haben musste. Leider lange her, aber wenigstens gab es nach und nach auf der Bühne ein Wiedersehen mit dem Biest und Belle, Simba, Tarzan (canceled) und Mary Poppins. Nun soll die Fischschwanz-Barbie mit der kupferfarbenen Wallemähne in die erfolgreichen Broadway-Fußstapfen ihrer Hit-Vorgänger treten. Da musste ich dabei sein!

Die Story: Gurlz, please!

Das kitschig verstuckte, ehrwürdige Lunt-Fontanne Theater, in dem bis vor kurzem die Schöne ihr Zottelwesen zum Prinz schmazte, gab gleich beim Eintreten den Ton für Francesca Zambellos Inszenierung im Bonbonniere-Stil vor: Es war für jeden etwas dabei. Schrill-bunte Überausstattung à la „Beauty and the Beast“, ein paar Flugeinlagen à la „Tarzan“, Kostüme mit Kopfmasken à la „Lion King“ – und gaaanz viel schillernder Chiffon und Plastik. Es bestand akute Zuckerschockgefahr.

Es war als wollte Zambello, deren bravouröse Welturaufführung von „Rebecca“ in Wien mich schwer beeindruckt hatte, den düsteren Stoff Daphne Du Mauriers aus jeder Ecke ihres Hirns fegen. Mit Zuckerwatte. Sicher, die bunte Unterwasserwelt und die verordnete Werktreue legten die prächtige Spielzeugwunderland-Ausstattung und das analoge Nacherzählen der Filmhandlung mehr als nahe. Was Julie Taymor jedoch mit „The Lion King“ schaffte, war basieren auf der Filmvorlage eine eigene Theaterwelt um den knuddeligen Löwenprinzen Simba zu erschaffen, deren afrikanisch-kunsthandwerkliche Ausgestaltung auch die Großen restlos begeisterte. „The Little Mermaid“ ist optisch aufwändig, aber eben wie Disneyland.

Die Darsteller haben gewohnt hohes Broadway-Niveau, allen voran Tituss Burgess als unermüdlicher Krabben-Dirigent Sebastian. Auch Sierra Boggess’ Arielle verfügt über Liebreiz, wenn ihre Stimme auch zuweilen im vollen Orchestersound zu ertrinken droht. High- und zugleich lowlight ist die von mir sehr verehrte Sherie René Scott als Meerhexe Ursula. Ihr giftgrün-lilafarbenes Kostüm mit den platinblonden Medusalocken bietet vor allem eine erholsame Pause von Türkis-mit-Pink. Ihre Jazz-Hymne „I want the good times back“ ist klasse, sie genießt die Fiesigkeiten ihres Parts sichtlich. Wer jedoch, wie ich, die rauhe, tiefe Stimme von Pat Carroll vom Filmsoundtrack im Ohr hat, der wird mit Sherie in dieser Rolle einfach nicht recht glücklich werden. Sie ist zu jung (wie auch Norm Lewis als Arielles Vater Triton), ihre Stimme zu hoch und zu poliert, sie bleibt als Widersacherin zu harmlos.

Das für mich aber wesentlichste Manko der Meerjungfrau am Broadway ist der ratzfatz beendete zweite Akt. Er hat zwar ebenso viele Nummern wie Akt 2, doch die Handlung, vor allem der Sieg über Ursula, wird zum Ende hin derartig beschleunigt, dass man etwas verdattert zurückbleibt, nach dem großen Finale.
Wenn man schon eine so junge hübsche Ursula hat, dann wäre doch ihr Landgang und ihr Werben um den Prinzen ein Must-do gewesen. Stattdessen wird diese Szene weggelassen und ihre Kapitulation – Abgang per Fahrstuhl im Bühnenboden plus Nebel – wirkt wie Schultheater.

Ebenso im Soll bleiben bis auf das erwähnte Stück die Neukompositionen von Disney-Veteran Alan Menken, der immerhin den famosen „Little Shop of Horrors“ schuf. Es sind hauptsächlich Liebeslieder, mal von Arielle, mal von Prinz Eric gesungen – süßlich, zu glatt, zu einfach, belanglos. Es wäre sicherlich gemein, wenn ich als Fazit einen leicht fischigen Nachgeschmack angeben würde. Und nicht korrekt. Eher zuviel HubbaBubba Erdbeere – und musikalische wie dramaturgische Mängel. Die eigentliche Premiere ist zwar erst am 5.12., doch dass bis dahin noch viel passiert bezweifle ich stark. Vor allem, da das ausverkaufte Haus orgiastisch jubelte, als der Vorhang viel.

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